Hai 760 DS
Andijk - Kiel - Andijk
11. bis 31.05.2016




Robben


Hai 760 DS


 
Die Vorbereitungen

Es begann eigentlich zwei Jahre früher. Da erfuhr ich, dass eine Besprechung im WSA Kiel Holtenau angesetzt werden sollte. Spontan kam mir der Gedanke, dass das eine pima Gelegenheit wäre, einmal mit dem Schiff nach Kiel zu fahren. Da der Heimathafen von LAPITA jedoch Andijk am Ijsselmeer heißt, ist das eine längere Anfahrt.  Die Besprechung verschob sich und so verschoben sich auch meine Pläne...

Dieses Jahr war es dann soweit. Zweimal war ich schon im Wattenmeer unterwegs gewesen und so traute ich mir den Törn zu, auch wenn da einige Unsicherheiten bestanden. Vor dem offenem Meer, dem Ein- und Ausfahren durch die Seegatten sowie dem Schiffsverkehr vor der deutschen Küste hatte ich, und habe ich immer noch, einen Heidenrespekt. Aber so schlimm wie befürchtet war es dann doch nicht, typisches Kopfkino ...

Die Vorbereitungen waren neben dem Kauf aktueller Karten in Papier- und elektronischer Form für das Elbe- und Wesermündungsgebiet (für den Bereich der ostfriesischen Inseln besaß ich noch Papierkarten von 2012 und von den westfriesischen Inseln (Papier und elektronisch) von 2015 sowie von den  Kanälen in NL von 2014 und 2016) , ausreichend Proviant sowie ca. 30 l Benzin für den Außenborder keine besonderen. Dazu kamen noch Hafenführer der Nordseehäfen.

Die Streckenplanung hatte mehrere grundsätzliche Varianten: zum einen ist da die Kanalroute binnen über  Stavoren - Gronigen - Delfzijl - Emden - Aurich - Wilhelmshaven - Bremerhaven - Brunsbüttel. Das andere Extrem geht über Kornwerdersand und die Nordsee nach Brunsbüttel, wahlweise mit Abstecher nach Helgoland. Dazwischen gibt es verschiedene Möglichkeiten durch das Wattenmeer. Letzlich wollte ich es von den Wetterbedingungen abhängig machen.

Auf dem Boot nutze ich meinen Laptop mit einem GPS-Handgerät zur Kartendarstellung. Darüber hinaus wird in den Häfen mit WLAN (in NL auch WIFI genannt) neben den üblichen Wetterportalen von wetteronline (mit Regenradar) und dem Windfinder auch zygrib. Hiermit lassen sich verschiedene meteorologische Daten (z.B. Windfelder) mit Prognose kostenlos herunterladen.

Somit war ich meiner Meinung nach ausreichend vorbereitet.

Für die Hinreise habe ich etwas mehr Zeit vorgesehen, da ich erst am 24.5. in Kiel sein musste. Für die Rückreise blieben dann 6 Tage mit einer zusätzlichen Reserve von 2 Tagen.

Ich fragte meinen Sohn Fabian, der derzeit in Karlsruhe studiert, ob er Lust hätte, mitzufahren. Er sagte für die Hinreise zu. Das freute mich, denn so hatten wir wieder einige Tage Zeit für uns und reichlich Gelegenheit miteinander zu sprechen.

Die Reise

11.05.2016

Völkersbach – Bonn – Andijk

Dienstreisen haben den Vorteil, dass man sie gelegentlich mit privaten Interessen verknüpfen kann. Die Anfahrt nach Bonn zu einer Besprechung war von den üblichen Gesprächen mit meinem Sohn durchzogen. Er interessiert sich vor allem für die Musik (Jimi Hendrix, Jazz und sonst noch einiges, was mir so gar nicht liegt), Mathematik (da kann ich schon lange nicht mehr mitreden) oder Philosophie. Smalltalk ist nicht seine Sache.

Die Besprechung war kurz und schon konnten wir weiter fahren. Nach einer Kaffeepause „Im Bruch“ in Kaldenkirchen mit lecker Kuchen kamen wir mit relativ wenig Verkehrsproblemen in Andijk an. Letzte Einkäufe im örtlichen Supermarkt tätigen, tanken, das Gepäck verstauen und Abendessen richten waren keine große Sache. Über Nacht wurden noch die Batterien geladen und so waren wir bereit zum Start am nächsten Morgen. Fabian hatte sich noch nicht an den neuen Rhythmus (abends früher zu Bett und morgens früher raus) gewöhnt und brauchte noch etwas länger, die er mit Musik hören verbrachte.

12.05.2016

Andijk – Stavoren, 21 sm

Erster Eindruck: viel Wind aus der falschen Richtung. Und da das noch heftiger werden soll, ist die Tour über Kornwerdersand abgesagt. Es geht durch die Kanäle. Nach dem Frühstück hieß es Leinen los. Aber da die Strecke über das Ijsslmeer nicht lang ist, haben wir genügend Zeit zum Kreuzen. Es geht zunächst nördlich an den Inseln "de Kreupel" vorbei um Höhe zu gewinnen und um dann in einem direkten Schlag nach Stavoren zu segeln. Es wird eine toller Schlag mit meistens 4 bis 6 Knoten Fahrt und als wir in Stavoren ankommen, sind wir schon ordentlich ausgepowert. Es fehlt halt noch etwas das Training. Dann bekommen wir Besuch von einer Katze, die ohne jede Schüchternheit  zu uns an Bord zu kommen. Sie ist total zutraulich und Fabian ist ganz hin und weg. Wir gehen zeitig (gegen 10 Uhr) ins Bett.

Fabian Katze

Da man das Thema Benzin auf dem Törn immer im Auge behalten muss, an gegebenen Stellen noch einige Hinweise. Stavoren hat eine Tankstelle, die wir allerdings nicht benötigt haben.

13.05.2016

Stavoren-Grou, 24 sm

Leider lief heute der Motor ziemlich viel. Wind meistens von vorn, so dass Lapita einiges zu kämpfen hatte. Fabian war viel am Steuer. Da wir morgens relativ viel getrödelt haben, kamen wir nur bis Grou. Auf den Kanälen kann man ja auch nicht beliebig lange fahren, da man an die Brückenöffnungszeiten gebunden ist. Aber da wir unterwegs auch Zeit lassen wollten, uns die kleinen Orte anzuschauen, machte uns das nicht viel aus. So blieben wir in ... hängen. Den Ort habe ich schon auf früheren Touren gesehen und mag ihn sehr, nicht zuletzt weil der Brückenwärter sehr freundlich ist und die Ortsdurchfahrt sehr schmal uns sehr beschaulich ist.

kleiner Ort kleiner Ort

Das Fahren auf den Kanälen und den zugehörigen Meeren, wie z.B. das Heeger Meer, hat so seinen eigenen Reiz ... Es gibt meistens etwas zu sehen und wenn es gut läuft, kann man auch segeln.

Segelboot Mühle

Segelboot

Am Nachmittag kamen wir in Grou an und beschlossen, die Nacht hier zu verbringen da bald die Brücken keine Durchfahrt mehr erlauben. Grou selber ist ein kleiner, netter Ort am Princess-Margriet-Kanal mit Super- und Baumarkt. Letzterer hat sogar eine kleine Abteilung für Bootsbedarf. Ich kaufte noch etwas Gummiband, um meine Strops zu reparieren. In Grou gibt es eine Tankstelle. Allerdings ist hierfür ein Fahrrad sehr hilfreich, um die Kanister (ich fahre einen Außenborder im Schacht) nicht tragen zu müssen. Übrigens kann fast überall in NL mit der normalen Bankkarte aus Deutschland bezahlen.

14.05.2016

Grou – Zuidhorn, 28 sm

me

Fabian ist frech wie (fast) immer. Aber das nett so.  Das Wetter hat uns heute einiges abverlangt, aber es war deutlich besser als befürchtet. Wir hatten teilweise sogar Glück. Die ganz schlimmen Sachen passierten vor oder hinter uns. Aber trotzdem hatten wir kurze Schauer, Sonnenschein und sogar mehrfach Graupel. Sind auch erst relativ spät  im Jachthafenvon Zuidhorn eingelaufen. Irgendwo im Nowhere... Irgendwie schaffen wir nicht die Strecke, die wir eigentlich dachten, aber macht nichts, wir haben ja Zeit. Morgen müssen wir sogar den Mast legen, da wir haben einen Hinweis bekommen haben, dass einige Brücken nur 3,60 m  oder 3,80m Höhe haben.

Ich habe heute sogar zum ersten Mal gefunkt, als ein Brückenwärter trotz dreimaligem Klingeln nicht reagiert hat. Ganz schön praktisch so ein Teil ...

Kleiner Ort mit schmalem Kanal und Brückenpause -wärter und wieder einer Katze

15.05.2016

Zuidhorn – Delfzijl, 25 sm

Morgens habe ich den Mast gelegt, während Fabian sich dem täglichen Abwasch widmete. Das Legen des Mastes ist dank Jütbaum völlig unkomliziert und für eine Person locker machbar. Etwas mühsam ist das Lösen der Wanten. Ich denke darüber nach, hier Peilkanhaken oder Taljen zu verwenden. Bevor wir ablegen konnten, haben wir einen schweren Graupelschauer abgewartet und dann sind wir los. Dank gelegtem Mast gab es keine Wartezeiten mehr an Brücken. Das ging bis nach Groningen, das wir rechts liegen ließen. Eigentlich schade, aber vielleicht ist es einmal Ziel eines anderen Törns. Danach ging es auf dem Eemskanal in Richtung Delfzijl. Fabian steuerte das Boot und ich stellte den Mast während der Fahrt. Jetzt ging es mit Segelunterstützung weiter. In Delfzijl war gerade lautstark Rummel, aber wir haben keinen Fuß an Land gesetzt. Das Clubhaus ist schwimmend und da wir uns wieder einmal viel zu reden hatten, blieben wir eben auf dem Wasser.  Wieder einmal ist der Unterschied in der Kindererziehung in NL und in D deutlich. Dort tobten die Kinder in den Sanitäranlagen, stellten das Licht ab und niemand interessierte sich dafür. In D wäre das sicher anders . Irgendeiner hätte sicher gemotzt und geschimpft...

16.05.2016

Delfzijl – Greetsiel, 26 sm

Heute ging es endlich raus aus den Kanälen und rein ins Watt mit Greetsiel als Zwischenziel nach Norderney.

Panorama

Es klappte alles prima, jedenfalls bis zur Schleuseneinfahrt. Hier standen die Einfahrttonnen „falsch“ herum. In meiner alten Karte waren sie noch nicht drin (soviel zum Thema Vorbereitung). Sie gehören nicht zur Einfahrt, sondern zur Fahrt durch das Watt. Ich fuhr also um die äußere Tonne, habe dann die Pricken falsch interpretiert und schon steckten wir im Schiet direkt am Anfang des Vorhafens fest. Gerade wenn man denkt, man hat es geschafft, passiert etwas Unvorhergesehenes. Motoren half nicht. Anker werfen brachte uns auch nicht weiter, Boot kippeln. Nichts hilft. Das Wasser steigt, aber wir werden bei jeder Welle ein Stück gegen den Steinwurf gedrückt. Das kann böse enden. Also Gummistiefel aus und ab ins Wasser. Da das Boot nur 90 cm Tiefgang hat, stand ich bis zur Hüfte im Wasser und zog am Boot. Fabian unterstützte mich am Motor. Als mir im kalten Wasser die Kräfte so langsam nachließen, fing das Boot an, sich zu bewegen. Es klappte dann doch. Das Boot schwamm, Fabian fuhr mit dem Boot an mir vorbei, so dass ich schnell hinten einsteigen konnte. Nichts wie raus aus den nassen Klamotten. Der Rest der Fahrt war problemlos. Sogar der Schleusenwärter ließ uns gleich einfahren…

17.05.2016

Greetsiel

Wieder ein wunderschöner Tag. Ich freue mich auf den nächsten Schlag durch das Watt. Fabian lasse ich wie immer so lange wie möglich schlafen. Aber ich habe falsch gedacht. Ich checke nochmals die Tidenzeiten und muss entsetzt feststellen, dass ich die Abfahrtszeit verpasst habe. Deshalb sind zwei Boote heute Morgen so früh losgefahren. Es hat mich gleich stutzig gemacht. Die nächste Tide würde eine Nachtfahrt bedeuten. Eine alternative Route gibt es nicht und so müssen wir an diesem Tag in Greetsiel bleiben. Es hat ja auch sein Gutes nach der bisherigen Fahrt einen Tag Pause zu machen. Wir müssen ja nicht hetzen. Ich lade Fabian zu einem Stück Kuchen und originalem Ostfriesentee ein und erfreuen uns an den aufsteigenden Sahnebläschen.

Tee

Danach ergänzen wir noch die Vorräte und gehen auf die Post. Ich habe dann Zeit Benzin zu besorgen (die Tankstelle ist bei den beiden Mühlen) und Fabian geht seine eigenen Wege. Wir treffen uns wieder und gehen ein Stück gemeinsam spazieren. Ich beschließe die „Ringelsocke“ , einen gelb-rot gestreiften Leuchtturm (Ottos Wohndomizil im Film Otto, der Außerfriesische) zu besuchen.

Pano Greetsiel

Fabian treibt sich am Deich herum und will sein Theaterstück für seine Klavierlehrerin schreiben. Der Leuchtturm ist nett, aber etwas enttäuschend und so sammele ich Fabian wieder ein und wir sehen noch einige schöne Häuser in Greetsiel. Ein kunterbunter Drachenladen animiert mich einen kleinen Drachen in Regenbogenfarben zu kaufen. Ich möchte versuchen, ihn hinter dem Boot herzuziehen.

Leuchtturm Haus

18.05.2016

Greetsiel – Norderney, 27 sm

Eine relativ unspektakuläre Etappe. Die Kleidung war wieder trocken und die Stimmung sowieso gut. Wir mussten noch nach Norderney, um für die relativ lange Etappe nach Helgoland und dann weiter in Richtung NOK genug Benzin zu haben. Jedoch scheint es den Prickenweg entlanf der Küste nicht mehr zu geben, weshalb wir etwas irritiert waren. Das nächste Mal werden aktuelle Karten mitgenommen. Auf Norderney war der Hafenmeister nicht angetan von unserer Platzwahl, da die kleineren Boote links um den Steg vorbei fahren sollten. Aber er ließ uns freundlicherweise in Ruhe, da nicht viel los war. Fabian und ich machten einen Spaziergang zum Strand, wo ich baden ging (seehr erfrischend) und Fabian auf der Gitarre spielte. Er spielte deutlich länger als ich baden konnte ... Der Rückweg durch den Ort nutzen wir zum Proviantkauf und später habe ich mit dem Fahrrad das Benzin gekauft (vom Yachthafen auf die Straße nach links und gleich wieder rechts, nicht zu verfehlen). Alles in allem ein eher ruhiger Tag mit schönem Wetter.

19.05.2016

Norderney – Helgoland, 30 sm

Sonne satt und kein Wind. Karibische Gefühle. Fabian liegt auf dem Vordeck und hört Musik. Karibische Gefühle, sobald man im Windschatten ist. Ich habe mir die Überfahrt viel komplizierter vorgestellt. Es gibt schon Schiffsverkehr auf den man gut achten muss, aber die meisten Schiffe lagen auf Reede.  Wir fuhren von Norderney durch das Watt bis Langeoog und dort durch das Gatt auf die Nordsee mit dierktem Kurs zur Tonne TG9, die das Ende des Verkehrstrennungsgebietes markiert. Von dort ging es auf direktem Kurs nach Helgoland.

Leider mussten wir den ganzen Tag mit Mtor fahren. Es ist ein toller Anblick, wenn so langsam die Insel aus dem Dust auftaucht.

Helgoland

Gegen Abend biege ich an der Tonne zum Hafen ab. Fabian meint, es sei eine Tonne zu früh und es könnte flach werden… Er hat Recht mit der Tonne zu früh, aber die Tiefe ist kein Problem. Helgoland ist zu einem Versorgungshafen für die Offshore-Industrie geworden. Nicht schön. Es gibt nur ein privates Sanitärgebäude, das horrende Preise verlangt Dusche 4 €...). Ok, einmal stinken geht auch …

Wir machten einen Rundgang um die ganze Insel und haben eine Menge Interessantes über die Insel und ihre Bewohner gelernt  Aufstieg und Niedergang in kurzer Zeit, Schmuggler und Lotsen, Helgoland hat eine bewegte Vergangenheit. Jetzt ist die Offshoreindustrie dran. Wenn es Honig regnet, muss man lösen... Auf dem Rückweg sind wir in einer Kneipe eingekehrt. Der Wirt war zwar sehr nett, aber es gab keine Kartoffeln, keinen Kartoffelsalat, keine … nur Pommes oder Kroketten zum Fisch. Aber das Essen war gut, reichlich und bezahlbar. 

20.05.2016

Helgoland – Brunsbüttel, 71 sm

Oha, gestern war die Nordsee zahm und spiegelglatt, heute hat sie doch einiges mehr an Temperament zu bieten. Wir sind gegen 5 Uhr ausgelaufen. Besser gesagt, ich bin ausgelaufen und Fabian hat noch geschlafen. Aber bei dem Seegang kam er schnell aus den Federn. Zuerst dachte ich, dass es für uns zu heftig wird, zumal es noch auffrischen sollte. Aber als die Segel standen, kamen wir so richtig in Fahrt. Mit einem Affenzahn sind wir dann pünktlich in die Elbe eingelaufen. Gerade rechtzeitig, um auf dem Flutstrom bis nach Brunsbüttel zu fahren. Vor den Schleusen mussten wir mit einigen anderen Booten etwas warten und wurden dann geschleust. Am frühen Nachmittag fuhren wir in den Yachthafen in Brunsbüttel ein. Beim Anlegen gab es eine Schrecksekunde. Fabian rutsche beim Anlegemanöver auf dem Steg aus und wurde mit NOK-Wasser getauft. Er hat sich nur am Fuß leicht verletzt. Wir machten uns erst einmal am Steg breit und mussten uns später allerdings etwas schmaler machen. Dabei habe ich in meiner Faulheit mit dem Boot der Stecker aus der Stromsäule gerissen und die Säule beschädigt. Der Hafenmeister nahm die Personalien auf und das war es dann erst einmal. Nachmittags sind wir in die Stadt und haben noch ein paar Sachen eingekauft. Anschließend kam noch die unvermeidliche Tankstellentour.  Sie ist hier etwas länger. Man muss die ganze Einkaufstraße entlang fahren. Am Ende gibt es noch größere Supermärkte. Dort am besten nach dem Weg fragen.

21.05.2016

Brunsbüttel – Kiel, 56 sm

In Rendsburg ist Fabian von Bord gegangen. Auf dem ganzen Weg ist mir bewusst geworden, dass der Augenblick des Abschieds sich näherte. Als er dann da war, war mir ganz flau zu Mute. Natürlich ist es schön, dass wir die Zeit miteinander hatten. Wir kamen uns auf der Fahrt näher und ich hoffe, dass er mitgenommen hat, dass ich in einigen wesentlichen Dingen ähnlich denke und er jederzeit eine offene Tür findet. Auch diese Fahrt gestaltete sich recht unspektakulär. Man sollte sich aber an die Gepflogenheiten halten. Hier steht die Gewerbeschifffahrt deutlich an erster Stelle. Auch die Benutzung des Funkgeräts an den Schleusen ist recht hilfreich. Es ist aber beeindruckend, wenn die die großen Containerschiffe an einem vorbei ziehen. Bleibt man am Rand (Achtung, es kann Absunk und Strömungen geben) ist das kein Problem. Aber die wirklich großen Wellen macht die Sportschifffahrt.

Der Kanal ist auch viel grüner als erwartet. Das ist natürlich Schutz vor Seitenwind. Da geht nicht viel mit Segeln, zumal der Motor mitlaufen muss. Aber gelegentlich konnten wir doch die Genua ausrollen. Aber stramm von achtern ist das auch nicht schön, da bei jedem Kurswechsel eine Halse fällig wird. Ab Rendsburg war ich dann solo unterwegs. Die Langschaft verändert sich. Die Ufer sind auf einmal sehr hoch und steil. Einigen Respekt hatte ich noch vor dem Schleusen in Kiel. Hier sind die kleinen (die alten) Schleusen aus Sicherheitsgründen gesperrt. Selbst die Fachleute wissen nicht genau, warum sie überhaupt noch stehen. Bei Sicherheitsuntersuchungen wurde festgestellt, dass in einem deutlich schlechteren Zustand waren wie befürchtet. Da aber außer einigen Sportbooten nicht viel Verkehr war, wurden wir ohne Gewerbeschifffahrt in einer der großen Schleuse geschleust. Das Schleusen in Brunsbüttel und Kiel ist denkbar einfach, da es an den Mauern Schwimmstege gibt. Aus Sicherheitsgründen darf man die Leitern nicht benutzen und deshalb kann man die Passage durch den NOK, der auch Kielkanal genannt wird, kostenlos nutzen.

Da ich auf Grund dienstlichen Anlasses in Kiel war, konnte ich als Gast im Wasser- und Schifffahrtsamt liegen. Nach dem Schleusen musste ich nur scharf links abbiegen und war schon vor Ort. Nach dem Anlegen untelief mir schon wieder ein kleiner dummer Fehler. Ich schließe das Kabel and die Steckdose am Steg an und stelle an Bord fest, dass gar kein Strom ankommt. Ich über prüfe die Sicherung am Steg und alles ist in Ordnung. Stellen sie etwa den Strom ab, wenn niemand da ist ? An den zentralen Stromkasten komme ich nicht heran. Ich habe Glück und ein Mitarbeiter verlässt gerade das Gelände. Er gibt mir die Tel.-Nummer des Wachhäuschen und dort teilt man mir mit, dass eigentlich Strom da sein müsste. Ich verspreche, noch einmal alles zu kontrollieren und gehe zum Boot zurück. Andere Steckdose funktioniert auch nicht. Etwa meine Sicherung an Bord ? Ich will mich gerade in die Backskiste beugen und stelle fest, dass ich vergessen habe, die andere Seite des Kabels im Boot einzustecken ! Natürlich geht dann alles.

Das Boot habe ich gründlich klariert, bin aber nicht fertig geworden. Ich beschloss gegen halb Zehn noch etwas essen zu gehen. Ich fand auf Tipp eines Anwohners eine kleine, sehr einfache Kneipe. Ich war wegen eines Fußballspiels der einzige Gast. Das Bauernfrühstück hat mir die Bedienung nicht empfohlen. Es sei viel zu groß. Ein Bauernomlette wäre nur die Hälfte, aber von der wurde ich auch mehr als satt.

22.05.2016

Kiel

Das Magische Lebensgefühl als beständiger Zustand, das wäre ein Lebensziel. Sich unentwegt vom Leben verzaubert zu empfinden. Welch ein Seiltanz, welch ein faszinierendes Spiel um Glück und Schönheit. Ein wahrer Zeitvertreib mit Aussicht auf Ewigkeit.

Friedrich Schiller

Schönes Wetter, warm sonnig.  Im Cockpit konnte ich herrlich frühstücken  und habe dann mein Tagebuch geschrieben. Die vielen  Gedanken in meinem Kopf wollten zu Papier gebracht werden.

Der Tag entwickelte sich dann wetterseitig doch anders, als erwartet. Der Wind frischte auf und ein Nachbar meinte, dass schweres Wetter angesagt ist. So habe ich beschlossen, den Tag nicht auf die Ostsee zu fahren und zu faullenzen.

Es ist toll, wie die Vögel hier in den Büschen pfeifen und zwitschern. Das ging den ganzen Tag so. Man wähnte sich vom Klangbild eher in der Karibik als in Kiel, zumindest für mich, der ja vor allem den Schwarzwald kennt. Dann reißt noch einmal der Himmel auf und die Sonne scheint erbarmungslos. Zumindest für norddeutsche Verhältnisse. Ich sitze im Cockpit habe mich eingecremt und lasse es mir gut gehen.

Mir hat der Tag gut getan. Es ist Abend geworden und gelegentliche kurze Sonnenabschnitte wechseln mit vielen Wolken ab. Sogar einige heftige Böen wehen um das Schiff. Auf der Förde fährt ein Rettungsboot. Offensichtlich ist es im Einsatz. Es rumpelt ein paar Mal, aber das war es auch schon. Als ich das Segel sichern wollte, habe ich leider einen meiner neuen Gummistropps nicht fest genug gemacht. Er flog über Bord und sank langsam auf den Grund. Kann man nichts machen. Oder vielleicht doch ? Tauchen ? Jetzt war es mir dafür zu kalt. Ich habe erst einmal Abendessen gekocht. Und dann kam mir die richtige Idee. Das kleine Malheur mit dem Gummistropp war dann auch schnell behoben. Das Wasser ist so klar, dass man ihn am Grund sehen kann. Mit dem Bootshaken gelang es mir, den Stropp beim ersten Versuch zu bergen. Geht doch.

Am Steg ist es ruhig geworden. Die Menschen sind wohl zum Abendessen nachhause gegangen und nachher kommt ja noch der Tatort. Der fegt genau so die Straßen leer, wie das Fußballspiel gestern. Ich werde mir jetzt eine Kleinigkeit kochen. Mal schauen, was noch da ist. Morgen ist Montag und die Situation wieder eine andere. Da gehen die Menschen wieder ins Büro und auf der Förde ist dann weniger los.

 

23.05.2016

Kiel

Regen. Einfach nur Regen. Die halbe Nacht hat es gergnet. Aber im Laufe des Tages wurde es etwas besser. Es waren noch einige Besorgungen zu machen. Also bin ich mit dem Fahrrad los gezogen. Danach habe ich eine kleine Besichtigungstour am Thiessenkai gemacht, wo schon einige Windjammer lagen. In vier Wochen ist Kieler Woche. Hinter dem Quai ist ein altes Militärgelände des MFG5 (Marinefliegergeschwader). Das hat mich doch sehr an meine eigene, unseelige Zeit bei der Bundeswehr erinnert. Später ging es wieder zur Tanke und dann auf die Brücke über den NOK. Leider war es sehr diesig, so dass nicht viel zu sehen gab.

24.05.2016

Kiel

Der Vormittag war der Vorbereitung der Besprechung gewidmet, die am Mittag begann. Viele Leute kannte ich von früher und es gab einige nette Gespräche am Rande. Besonders interessant waren die Vorträge über den NOK, da ich ihn ja bereits kannte. Im Netz gibt dazu eine gute Seite des WSA Kiel. Deshalb schreibe ich hier nichts dazu. Die Besprechung ging bis fast 19 Uhr. Danach sind wir gleich in ein Restaurant in der Nähe gegangen. Natürlich bin ich wieder bei den letzten gewesen, die das Lokal verlassen haben …

25.05.2016

Kiel - Rendsburg

Zuerst Frühstück, dann das Schiff vorbereitet. Ab Mittag soll es wieder losgehen, aber zuerst gab es noch eine interessante Exkursion. Der NOK soll verbreitert werden und dafür ist der Neubau der Levensau-Brücke geplant. Auf dem Bild links ist diese Brücke zu sehen. Dadurch würde auch ein Engpass für höhere Schiffe beseitigt. Das Problem an dieser Stelle ist ein ökologisches. In einem Brückenfundament wohnen zeitweise bis zu 4500 Fledermäuse in 4 Arten. Das besondere sind die Temperatur- und Feuchtigkeitsverhältnisse im Fundament. Das Fundament ist hier ein hohler Kasten, der ein Raumgefühl wie in einer Kirche vermittelt. Es werden Versuche unternommen, dass die Fledermäuse umziehen, was bei drei Arten bereits gelungen ist. Soll keiner sagen, die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung hätte kein Herz für die Natur ...

Exkursion NOK

Nach ein paar weiteren kleineren Besichtigungspunkten ging es dann am frühen Nachmittag los. Aber zunächst werde ich aber erst einmal an der Schleuse ausgebremst. Ich muss über eine Stunde warten, bis ich hinein komme. Da zuerst ein Containerschiff hineinfährt. Dann dürfen ein weiteres Sportboot und mein Schiff ebenfalls hinein und wir müssen vor dem Containerschiff anlegen. Unten sieht man die große Schleuse. Die Schleusung ist unspektakulär und lässt sich leicht von einer Person bewältigen. Da wir vor dem Containerschiff ausfahren gibt es keine Probleme mit dem Schraubenstrahl. Die weitere Fahrt bis zum Etappenziel ist wenig interessant, zumal das Wetter wieder schlechter wird.

Schleuse Holtenau


Ich überlasse Gustav die Steuerung In Rendsburg und laufe ich gegen halb Acht ein. Der stellvertretende Hafenmeister hilft mir beim Anlegen.

26.05.2016

Rendsburg –Cuxhaven

6 Uhr morgens. Ich fahre auf dem Kanal und es gibt nichts zu tun, außer gelegentlich den Kurs zu korrigieren. Jetzt fängt es auch noch an zu regnen. Die Stimmung ist so trübe wie das Wetter. Ich lasse ein paar Podcasts laufen, die ich früher aufgenommen habe. So habe ich wenigstens etwas Unterhaltung

Am Km 25 komment schlechte Sicht und Nieselregen auf. Nachmittags hat es etwas aufgeklart und es regnet nicht mehr. In in Brunsbüttel habe ich die Benzinvorräte wieder aufgestockt gehe etwas shoppen und habe eine kurze Pause gemacht, da ich auf die Tide in der Elbe warten muss. Schleuse gegen 16:30 Uhr und dann geht es auf der Elbe weiter. Vor mir wird ein großer Schwimmkran geschleppt. Das ist ein imposanter Anblick. Aber zum Fotografieren habe ich keine Lust. Es ist sonst kein Verkehr und so fahre ich mit dem Ebbstrom auf der Elbe zu Tal bis ...

... TUUUUUUUT.

Ich bekomme einen Riesenschreck. Ich habe mich von der Ruhe anstecken lassen und ca. 10 Minuten mich nicht umgeschaut. Hinter mir fährt ein Riesencontainerschiff auf mich zu. Ich bin relativ weit in der Fahrrinne und mache, dass ich schnell wieder hinaus komme. Ich schätze, dass es ein Schiff für ca. 8-10.000 Container ist. Das ist so schnell an mir vorbei, wie es gekommen ist. Das war eine Lehre, auch auf einer scheinbar wenig befahrenen Elbe aufzupassen ...

Cuxhaven erreiche ich am Abend bei ziemlich heftiger Strömung. Die Hafeneinfahrt kommt mir dabei ziemlich schmal vor und ich fahre ziemlich dicht am linken Ufer, um sie ja nicht zu verpassen. Der Rest war kein Problem. Am Automat zahle ich meine Gebühr und bin bereit, am nächsten Morgen zeitig die  Ebbe zu nutzen.

27.05.2016

Cuxhaven – Langeoog

Heute ist frühes Aufstehen angesagt, um wieder den Ebbstrom zu nutzen. Eigentlich sollte es heute bis Borkum (Plan A) oder wenigstens bis Norderney (Plan B) gehen. Aber Strömungen und Flaute haben alle Pläne zunichte gemacht. Ich würde bei Ebbstrom ankommen und das möchte ich vermeiden. An Neuwerk und geht es noch zügig vorbei, aber dann wurde es deutlich zäher.  Ich entschließe mich bei Langeoog durchs Gatt zu gehen und nach Norderney durchs Watt (Plan C). Aber auch da habe ich mich verschätzt und nehme Plan D. Es geht bei Spiekeroog durch Gatt und dann mit dem Flutstrom nach Langeoog. Das passt aber sehr gut.

Der nun aufkommende leichte Wind kommt im Watt genau von achtern, was in den beengten Verhältnissen ziemlich lästig ist, da das Vorsegel ständig geschiftet werden muss. Zudem habe ich Sorge, dass ich bei den Manövern einmal nicht aufpasse und auf Schiet sitze. So werfe ich den Motor an und lasse ihn mit kleiner Kraft laufen. Später komme ich doch noch zum Segeln. Auf dem Watthoch kommt mir eine Einhandseglering mit einer Hai 760 CL unter Segel entgegen. Kurzes Hallo und meinen Respekt, mit dem Schiff hier aufzukreuzen. Sie schint sich hier auszukennen.

Langeoog erreiche ich am Nachmittag. Abends fällt der Hafen zusehends trocken. Lapita steht auch etwas im Schlick. Das WLan ist hier leider kaputt. So gibt es keine Wettermeldungen.

28.05.2016

Langeoog - Norderney

Langeoog Inselbahn

Ich habe viel Zeit, da das Hochwasser um 4:41 Uhr auftritt und ich mindestens 2 Stunden früher weg muss. Im Dunkeln muss man nicht ins Watt. Aber nach Norderney muss ich zwingend, da Tanken angesagt ist. In Cuxhaven war es ja schon relativ spät. So habe ich mich ein wenig auf Langeoog in der Nähe des Hafens umgeschaut und ein paar Bilder gemacht. Das Inselbähnchen ist mit seinen bunten Farben lustig anzuschauen.

Am Nachmittag geht es los und ich nehme doch prompt den falschen Weg in Richtung Küste... Ich habe es aber doch recht schnell gemerkt und bin wieder zurück und habe mich wieder auf den rechten Weg gebracht. Der Rest war schönes Segeln im Watt mit dem Strom. Abends in Norderney war dann alles wie gewohnt.  

29.05.2016

Norderney – Dokkum

Heute steht wieder eine größere Etappe an. Morgens um 5 Uhr laufe ich bei herrlichstem Sonnenaufgang und schönem Wind aus. Es verspricht ein schöner Tag zu werden. Es geht  durch das Seegatt und ich suche sorgfältig (!) meinen Weg. Aber die rote Sonne hätte mich stutzig machen sollen. „Morgenrot, schön Wetter Tod“ sagen die Norddeutschen. So auch hier. Nach zwei Stunden verdunkelt sich der Himmel und binnen weniger Minuten sitze ich im Seenebel mit Sichtweiten von nicht mehr als 50 m. Ich mache mir trotzdem keine großen Sorgen und fahre weiter. Es ist noch sehr früh und die Gewerbeschifffahrt ist weit. Nach ca. 2 Stunden lichtet sich der Nebel, dafür nehmen Wind und Seegang zu. Das Boot läuft hervorragend und die beachtlichen Wellen von ca. 1,5 bis 2 m machen keine Probleme. Die Hai setzt sehr weich ein und es bleibt alles trocken im Schiff. In Schiermonnikoog geht es wieder durch das Gatt. Dort steht der Flutstrom gegen den Wind mit üblen Wellen. Nach einiger Zeit komme ich doch noch mit Motor und Segel an der Schleuse in Lauwersoog an. Das Schleusenmanöver verläuft äußerst gut. Der Wind schiebt mich von achtern in die Schleuse. Kaum bin ich drin, schließt der Wärter die Tore und der Wind lässt nach. Ordentlich Fahrt rückwärts nimmt die Fahrt aus dem Schiff. Ein cooles Manöver einhand. Die Fahrt durch die Kanäle ist trotz viel Wind problemlos. In Dokkum macht der Brückenwärter bereits 20 bis 30 Minuten vor der Zeit Feierabend. Aber das macht nichts. Weit wäre ich sowieso nicht mehr gekommen.

30.05.2016

Dokkum – Sneek

Die Brückenwärter in Dokkum sind irgendwie anders drauf. Nachdem ich die erste Brücke passiert habe, hänge ich an der zweiten. Dort rührt sich niemand. Kein Funken hilt und kein Tuten und so drehe ich meine Kreise. Dann kommt ein zweites und drittes Schiff. Auch sie müssen warten, bis sich dann doch jemand erbarmt. Die Fahrt in den Kanälen ist immer wieder nett. Bei Wind von achtern wird das Vorsegel gesetzt und so geht es zeitweise ohne Motorenlärm weiter. In Leeuwarden mache ich wieder mittags eine kurze Kaffeepause. Man liegt hier einfach sehr schön in einer parkähnlichen Anlage. Aber der Rest um Leeuwarden  ist dann doch mühsam. Viele Brücken, z.T. mit Eisenbahn kosten einfach Zeit. Hinter Leeuwarden passe ich beim Segelsetzen nicht auf und so lande ich im Deckwerk am Ufer. Die Bremsung auf dem Steinufer war zügig abgeschlossen und danach war Lapita nur mit Mühe wieder flott zu machen. Aber außer ein paar Kratzer am Gelcoat dürfte nichts passiert sein. Qualität hat einen Namen: Hai 760 DS. Hinter Sneek erwischt mich eine gesperrte Brücke, so dass ich über Sneek fahren muss, wo ich auch direkt am Wassertor übernachte.

31.05.2016

Sneek – Andijk – Völkersbach

Auch heute konnte ich wieder größere Strecken segeln. Bei Heeg nur noch abbiegen und schon war ich auf dem Heeger Meer. Ein Blick auf die Tankuhr zeigte noch einen vollen Tank an. Was das Segel doch ausmacht, dachte ich nur. Aber nicht lange. Ich hatte schon ein komisches Gefühl, dass etwas nicht stimmt. Und so nahm ich den Tank in die Hand. Er war leer ! Was nicht zu sehen war: er war ganz zusammen gezogen. Die Belüftungsschraube des Benzintanks war nicht oder nicht weit genug geöffnet. Aber der 2-Zylindermotor hat, wie er es braucht, Benzin gesaugt und damit den Tank ziemlich verdrückt. Ich drehte die Belüftungsschaube auf, ein zischendes Geräuch ließ darauf schließen, dass er tief Luft holte und die Tankanzeige ging auf leer. Fatal war, dass die Tankanzeige immer einen fast vollen Tank suggerierte, aber durch das Verdrücken klemmte der Schwimmer. Schnell den Tank gewechselt, aber es war zu spät. Ein paar Sekunden später fing der Motor an zu stottern und blieb stehen. Gut war, dass ich unter Segel auf dem Heeger Meer weiter fahren konnte.

Alle Reste zusammengekratzt sollte das Benzin bis nach Andjk reichen. Und so war es dann auch. Die Schleusung in Stavoren ging cool über die Bühne und ich konnte noch ein wenig auf dem Ijsselmeer segeln. Es ging südlich um die Insel de Kreupel, was vom Wind etwas günstiger war. Gegen 16:00 Uhr lief ich in Andijk ein. Ich beschloss nicht mehr bis zum nächsten Morgen zu warten und packte meine Sachen ins Auto und fuhr nach einer Dusche gegen 20:00 Uhr los. Gegen 2 Uhr kam ich zuhause an. Die letzten 150 km waren dann doch noch eine Strapaze. So machte ich unterwegs noch ein Nickerchen, aber dann war es geschafft.

Ich konnte es noch gar nicht richtig glauben, dass ich das alles gemacht und geschafft habe. Jedes Problem wurde selber beseitigt und ich habe so viel erlebt, Kanäle, Watt, offenes Meer, durch die Seegatten. Ich habe viele Fehler gemacht und dabei so viel gelernt. Aber auch sehr erfahrenere Segler machen Fehler und das manchmal mit dramatischen Folgen. Ich erinnere an die Vesta Wind auf der Volvo Ocean Race 2014, die nachts auf ein Riff gelaufen sind (kein Personenschaden) oder an Eric Tabarly, der sich stets ungesicht auf dem Schiff bewegte und 1998 in der Irischen See von Bord ging und verstarb. 

Fehler gehören zum Segeln. Und wer Fehler vermeiden will, bleibt am besten im Hafen. Ich denke, es ist auch wichtig, über die eigenen Fehler zu berichten, statt sie zu verschweigen. So haben auch andere zum einen die Chance, daraus zu lernen und zum anderen, das auch Anfänger sehen, dass noch ken Meister vom Himmel gefallen ist.

Der Törn ist zu Ende, aber er wird noch sehr lange in mir nachwirken. Er gehörte zu den beeindruckendsten Reisen, die ich gemacht habe.



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